Die Nachricht vom Tod des religiösen Staatsoberhauptes Ajatollah Ali Chamenei und weiteren Anführern lässt die Iraninnen und Iraner vor Freude weinen und gleichzeitig tanzen.
Jahrenlang wurde das Leben der Iraner bestimmt durch massive Einschränkungen der politischen Opposition, der Unterdrückung von Protesten, von willkürlichen Verhaftungen und Todesurteilen gegen Regimegegner, sowie der Kontrolle von Medien und Internet.
Jetzt haben gerade die jungen Generationen die Chance, das Land selbst zu gestalten. Sie haben die Chance, das umzusetzen, was sie seit Jahren fordern:
• freie Wahlen
• Gewaltenteilung
• Rechtsstaatlichkeit
• Gleichberechtigung von Frauen
• Lockerung religiöser Zwangsstrukturen
Das aktuelle System steht unter schweren Sanktionen.
Die Bevölkerung leidet wirtschaftlich, unter Inflation, Arbeitslosigkeit und Kapitalflucht.
Viele Menschen verbinden mit einem Regimeende die wirtschaftliche Öffnung, die internationale Integration, Investitionen in die Zukunft des Landes und bessere Lebensperspektiven.
Deshalb darf jetzt kein Machtvakuum entstehen.
Es reicht nicht, dass die USA und Israel einmal kurz alles platt machen und Machthaber elemenieren. Wer Weltpolizei sein will, muss auch die Folgen bedenken. Wie oft ging das leider schon schief?
Dem Iran und den Menschen, die dort leben, ist nicht geholfen, wenn jetzt ein Bürgerkrieg folgt, eine Milizenherrschaft entsteht oder sich ein neuer autoritärer Führer findet.
Es braucht jetzt unbedingt eine klare Interimsführung, die Sicherung der Gewaltmonopole, der Schutz von Minderheiten und kontrollierte Reformprozesse.
Ja, heute ist ein Tag der Freude, ein Tag der Befreiung.
Aber:
Wer regiert am nächsten Morgen – und mit welcher Legitimation?
Wenn diese Frage nicht beantwortet ist, wird das Risiko eines Desasters sehr real.
Und das wünsche ich den Iranerinnen und Iranern wirklich nicht.
Ich hoffe fest, dass der Iran eine echte Chance bekommt.
„Zan, Zendegi, Azadi“
(„Frau, Leben, Freiheit“)